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and the K goes down

Tilly II / 2008

Ein Wochenende auf dem Motorrad

von

Jens Weinstein

Seit Wochen, nein, Monaten ist die Tour geplant. Am Stammtisch haben wir etliche Male darüber

gesprochen und alles Nötige wurde abgeklärt. Wie immer hat Matthias die Zimmer reserviert. Er

wird auch die Tour hin anführen, während Schoko und Markus den Samstag und die Rückfahrt

planen. Hoffentlich will Matthias nicht noch einmal über Dabo fahren und „seinen“ Felsen suchen.

Schon auf der letzten Tour sind wir bestimmt eine Stunde kreuz und quer durch den Ort gefahren,

ohne den richtigen Weg zu diesem ach so tollen Aussichtspunkt zu finden!

Ich bin schon leicht kribbelig - wie vor jeder Tour. Raus aus dem Alltag und mit Freunden die

Straßen der Vogesen erkunden. Vorfreude.

Wie jede Reise beginnt auch diese mit dem Packen. Am Vorabend der Tour, es ist Donnerstag

Abend, suche ich meine „Sieben Sachen“ zusammen. Klamotten, Zigaretten, das Handy noch mal

aufladen, Kamera, die kleine Wasserflasche für Unterwegs füllen und das Visier des Helms

reinigen. Bei der letzten Ausfahrt müssen mal wieder ganze Insektenfamilien ausgerottet worden

sein und alle landeten scheinbar zielgenau auf den wenigen Quadratzentimetern durchsichtigen

Kunststoffs, das mein Sichtfeld bildet.

Habe ich auch alles dabei? Was braucht man(n) schon auf einer 3-Tage-Motorradtour. Viel ist es

jedenfalls nicht! Wenn die Schuhe und die Fleace-Jacke für Abends nicht wären, würde alles

bequem in einen Tankrucksack passen. So aber ist die 30 Liter Gepäckrolle doch recht gut

ausgefüllt.

Obwohl ich mir sicher bin, alles dabei zu haben – schließlich ist das ja nicht mein erster Trip – ist

da doch das vertraute Gefühl, irgend etwas übersehen zu haben. Naja, was soll's, das geht auch

wieder weg.

Freitag Morgen um 7.30 Uhr klingelt der Wecker. Nö, noch nicht!

Um 7.35 Uhr klingelt der Wecker erneut. Nö, immer noch nicht!

Um 7.45 Uhr legt dann das Handy los, das ich vorsichtshalber auch gestellt habe, um ja nicht zu

verschlafen. Alla guut, dann stehe ich eben auf.

Vor dem Duschen schalte ich noch die Kaffeemaschine ein, denn „There is no life before coffee!“

Nachdem die erste Tasse unten ist, pelle ich mich in die Motorradhose, packe die kleine Tank-

Tasche (Zigaretten, Wasserflasche, Handy, Leatherman) und schnappe mir Jacke, Helm und

Gepäckrolle. So beladen stapfe ich in die Tiefgarage, wo die Dicke schon zu warten scheint. Ich

begrüße sie und schnalle die Rolle auf den Sitz. Nachdem die Jacke zu ist und der Helm auf dem

Kopf, starte ich den Motor. In der Tiefgarage röhrt der neue Sportauspuff gleich doppelt so laut.

Geil. Vielleicht noch etwas früh fr die Nachbarn, aber geil!

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Wir treffen uns um 9.00 Uhr in Waldsee bei Manner und Feli zum Frühstück. Ich bin pünktlich und

Markus ist auch schon da. Matthias und Danny kommen eine ganze Weile zu spät, da sie Probleme

hatten, die Navi-Software auf dem Pocket-PC zu starten, der Danny und Feli im Cabrio ans Ziel

führen sollte. Beim Frühstück gelingt es Markus dann endlich die Software neu zu installieren und

zur Mitarbeit zu bewegen. Leider fällt erst jetzt auf, dass nur eine Deutschland City Karte

vorhanden ist. Die Mädels werden also Karte lesen müssen!

Kurz nach 11.00 Uhr fahren wir gesättigt los. Das Wetter ist anstrengend, es ist warm und es ist

schwül. Weit kommen wir nicht, schon in Schwegenheim am Rasthof halten wir wieder. Während

Markus und Manner noch tanken müssen, holt Matthias seinen Rückenprotektor, den er daheim

vergessen hat.

Dann aber geht es endlich richtig los. Gegen 13.00 Uhr machen wir in Oberbronn eine Kaffeepause,

während der es anfängt zu regnen. Toll, da sitzt man mal ohne Helm im Freien und schon wird der

Kaffee nass!

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Gegen 14.30 Uhr halten wir in Graufthal, wo wir die mitgenommenen Brötchen vertilgen und

Markus und ich anschließend die Felsenwohnungen besichtigen. Diese Wohnungen wurden in den

blanken Felsen gebaut und haben nur an der Außenseite gemauerte Wände. Bis zu ihrem Tode 1958

hat dort noch eine Frau gewohnt. Beeindruckend, aber ich finde meine „Höhle“ eindeutig

wohnlicher!

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Gegen 16.00 Uhr Tankstop in (oh nein, ich wusste es) Dabo. Lustigerweise treffen wir hier die

Mädels, die gerade eine Kaffeepause machten. Es hat inzwischen glücklicherweise aufgehört zu

regnen, so dass meine Laune ebenfalls wieder aufklart. Kurz zuvor sahen wir ein Schild, das den

Weg zu Matthias' Felsen, dem „Rocher de Dabo“ weist. Ich könnte schwören, dass dieses Schild bei

der letzten Tour noch nicht da war!

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Während die Mädels nichts für solche Sehenswürdigkeiten übrig haben, folgen wir den Schildern.

Nach nur wenigen Minuten sind wir auch schon oben. War doch ganz einfach zu finden! Wir

genießen eine prächtige Aussicht über die Landschaft und die umliegenden Orte.

Um 19.00 Uhr erreichen wir endlich Le Hohwald und unsere zweites Heim „Tilly's Bed and

Breakfast“. Der Empfang ist wie immer herzlich und noch in den Motorradklamotten verdunsten

die ersten Bierchen. „Bierchen“ ist hierbei übrigens wörtlich zu nehmen: Die Meteor- oder

Kanterbru-Flaschen fassen nur 0,25l.

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Markus und ich belegen die linke Ferienwohnung. Jeder hat sein eigenes Schlafzimmer, Küche und

Bad teilen wir uns.

Das Essen in der Stammgaststätte ist heute besser denn je. Es scheint sich bemerkbar zu machen,

dass weniger los ist, da kein Feiertag ist und vielleicht auch, weil wir diesmal über die Besitzerin

der Pension den Tisch reserviert haben. Landsleute werden eben bevorzugt behandelt!

Wir essen praktisch einheitlich das Cordon Bleu, eine panierte und mit Tomate, Speckstreifen und

Münsterkäse gefüllte und gebratene Hühnerbrust. Das sollte jeder einmal probiert haben. Leider

sind die Preise fürs Essen, wie im Elsass und den Vogesen üblich, auch nicht von schlechten Eltern:

Das Cordon Bleu mit Pommes Frites kostet 15,50€ und da ist dann noch kein Beilagensalat dabei.

Nach dem Essen widmen wir uns wieder den Bierchen und schauen in unserer Küche einige Video-

Aufnahmen an, die Markus während der Fahrt gemacht hat. Die Kamera hat er dazu diesmal

rückwärts an der linken Sozius-Furaste befestigt, sodass wir in voller Fahrt von Vorne zu sehen

sind. Tolle Sache!

Zu den Aufnahmen genießen wir die kleine Flasche Ouzo, die Manner mitgenommen hat und die

mittlerweile im Eisfach des Kühlschranks auf Trinktemperatur abgekühlt ist.

Um Mitternacht fallen wir todmüde in die Betten.

Samstag.

Das Handy rappelt, der Wecker steht auf halb acht. Nö, noch nicht!

Ich schalte die Nachttischlampe ein und werde nochmal mehr oder weniger bewusstlos. Um acht

schaue ich wieder auf die Uhr. Hmm, draußen ist nichts zu hören. Hat Markus keinen Wecker

gestellt? Um neun gibt es Frühstück und wir müssen doch schließlich beide ins Bad.

Um zehn nach acht muss ich so dringend pullern, dass ich aufstehe und vorsichtig bei Markus

klopfe. Ok, er ist wach und ich kann ins Bad. Die Dusche, obwohl leider ohne Duschvorhang,

weckt die Lebensgeister.

Das Frühstück ist lecker, Baguette und Croissants sind frisch und die Eier sind immer perfekt

Wachsweich.

Schoko und Melle sind auch schon da. Sie sind schon früh daheim losgefahren, sodass sie

rechtzeitig da sind, um mit uns zu frühstücken.

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Um 11.00 Uhr steigen wir auf die Maschinen und lassen es im Hof donnern. Schoko hat natürlich

seinen DB-Eater herausgenommen, wodurch sein Auspuff nochmal um einige Dezibel lauter ist. In

Frankreich ist das kein Problem, die Uniformierten haben hier wichtigere Probleme.

Den ganzen Tag geht es nun die Pässe auf und ab, eine Kurve jagt die nächste. Geraden gibt es in

den Vogesen praktisch nicht. Wir haben Glück, den ganzen Tag kein Tropfen Regen!

Col de Steige, Col du Bonhomme, Col de la Schlucht, Ballon D'Alsace, Grand Ballon und wie sie

alle heißen werden von uns platt gemacht. Auf dem Col de la Schlucht ist immer ein reges Treiben

vieler Motorräder, ähnlich wie bei uns auf Johanniskreuz.

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 Diese Auffahrt ist aber auch einfach zu geil

. Es gibt hier auch einen Skilift und eine Sommerrodelbahn, die Schoko und Markus natürlich

wieder fahren müssen, während wir anderen lieber die Aussicht und den Kaffee genießen. Hier ist

auch der (zum Glück) einzige Unfall unserer Tour passiert: Schoko ist aus der Rodelbahn geflogen,

weil er nicht bremsen wollte und hat sich dabei den linken Arm geprellt. Nicht auszudenken, wenn

er sich dabei ernsthaft verletzt hätte und nicht mehr Motorrad hätte fahren können. Wie hätten wir

dann sein Mopped vom Pass runter und aus den Vogesen Heim bekommen?

Selbstverständlich fahren wir zum Abschluß noch über den Col de Fouchy. Dieser Pass ist ein Muss.

Ist man ihn nicht gefahren, war man quasi nicht bei der Tilly!

Damit wir diesmal nicht zweimal in die Wirtschaft gehen müssen und auch etwas Geld sparen,

haben Danny und Feli Spaghetti und fertige Nudelsoße im Auto mitgenommen. Schließlich wohnen

wir ja in Ferienwohnungen, die auch mit Herd, Töpfen und Spüle ausgestattet sind. Matthias hatte

alles besorgt und zaubert uns abends ein leckeres Mahl, das wir in „unserem“ Wohnzimmer

genießen. Aus dem Esstisch und dem Küchentisch stellen wir eine Tafel zusammen, an der alle

Platz finden.

Wir sitzen dann zwar noch eine Weile draußen auf dem Balkon zusammen, aber bald treibt uns der

erneute Regen hinein, wo die Müdigkeit schnell die Oberhand gewinnt

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.

Sonntag.

Das Handy rappelt, der Wecker steht heute auf acht. Nö, noch nicht!

Um zwanzig nach acht schleiche ich ins Bad, dann Frühstück.

Die Teller und Töpfe haben wir noch am Vorabend gespült, sodass wir nur noch packen und

losfahren müssen. Fast hätte ich's wieder vergessen: Bezahlen müssen wir ja auch noch. 33,30€ pro

Nacht und pro Nase werden fällig. Die Bierrechnung hat Matthias erstmal beglichen, das wird dann

beim nächsten Stammtisch aufgeteilt.

Noch während der Frühstücksverdauungszigarette fängt es wieder an zu Tröpseln. Ich ziehe mich

um, stopfe alle Sachen wieder in die Gepäckrolle und gehe hinunter in den Hof zu den Moppeds.

Das Wetter scheint nun doch erstmal zu halten, obwohl in der Ferne dunkelgraue Wolken zu sehen

sind. Wir verabschieden uns und Schoko scherzt mit unserer Gastgeberin, da er noch einen Kaffee

trinken könnte. Tja, die gute Frau hat den Scherz offenbar nicht so richtig verstanden und so

bekommt noch eine Tasse Kaffee, die er sicher viel zu hei hinunter stürzt, damit sich die Abfahrt

nicht noch mehr verzögert.

Wir brechen auf und schon nach wenigen Kurven fängt es doch wieder an zu Regnen. Zunächst

nehmen wir das gelassen hin, denn schließlich sind wir ja nicht aus Zucker. Als wir dann aber auf

dem Col de Donon sind, hält Markus an. Er hat ein dunkel getöntes Visier und kann durch den

zusätzlichen Nebel auf dem Berg fast nichts mehr erkennen. Melle geht es ebenso, auch sie hat ein

solches Visier. Während wir im Regen auf den Moppeds sitzen und beraten, wie es weitergeht, zieht

Manner seine Regenjacke an, die er (sicher viel zu spät, er ist schon ziemlich nass) aus dem

Tankrucksack zieht. Wir fahren mit besserer Schrittgeschwindigkeit weiter. Auf dem Pass

stehenbleiben macht keinen Sinn, da wir uns nirgends unterstellen können.

Je tiefer wir kommen, um so weniger werden wir nass. Nur auf die Bitumenflecken müssen wir nach

wie vor höllisch aufpassen, bei Nässe sind sie glatt wie Eis!

Mitten im Wald sehe ich auf meinem Tacho auf einmal die Anzeige „LAMPF!“, was bedeutet, da

der Scheinwerfer ausgefallen ist. Na toll: Scheiss Wetter, du bist mitten im Wald und dann fällt die

Lampe aus. Wenn mir nun einer entgegenkommt, wird er mich erst sehr spät erkennen! Ich muß

also daran denken, das Fernlicht zu benutzen, um mich zu zeigen. Ich will es jetzt aber noch nicht

einschalten, um die anderen nicht im Rückspiegel zu blenden. Zum Glück haben wir erstmal keinen

Gegenverkehr.

Als wir endlich aus dem Wald herausfahren, lässt auch der Regen immer mehr nach. Wir halten an

und machen ein kleines Päuschen. Manner zieht seine Regenjacke wieder aus, denn es hat nun

komplett aufgehört zu regnen. Den anderen ist natürlich auch aufgefallen, da zwischen Melle und

Manner plötzlich eine zu große Lücke in der Scheinwerferkette war. Rasch hat Markus eine Idee

und tauscht die Birne des Abblendlichts gegen die Birne aus einem Fernlichtscheinwerfer. Ist eben

clever unser Schraubergott, mir ist nicht sofort eingefallen, da alle drei Lampen H7 mit 55W sind.

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Der restliche Heimweg ist schnell erzählt. Regen und trockene Passagen wechseln sich ab.

Unangenehm wird es nochmal bei Haguenau auf der Schnellstraße, wo die Sicht durch den

Sprühregen und das durch die Autos aufgewirbelte Wasser erneut stark eingeschränkt wird.

Zurück in Deutschland wird es aber endgültig besser. Kein Regen mehr und als wir in

Schwegenheim eine letzte gemeinsame Pause machen, sind wir und die Moppeds längst wieder

trocken. Noch ein letzter Kaffee auf dem Rasthof, dann trennen sich unsere Wege wieder...

... bis zum nächsten Stammtisch, der nächsten Ausfahrt, der nächsten Tour!

 

Sämtlich Bilder zur Tour findet ihr auch hier